Achtung, Geheimtipp! Kräuter sammeln auf Rügen

Hat da jemand Unkraut gesagt? Wir finden, Unkraut gibt es nicht. Denn die Wildkräuter, die auf Rügen und in der Umgebung wachsen, stecken voller Überraschungen. Sie schmecken nicht nur köstlich, sondern können auch in Sachen Gesundheit wahre Wunder bewirken.

Was wären Gerichte ohne Kräuter? Erst sie verleihen dem Essen doch das gewisse Etwas. Zusammen mit ihren heilsamen Eigenschaften sind die Rügener Wildkräuter echte Alleskönner. Hier bekommt ihr den Geheimtipp, wo sich das Kräutersammeln auf Rügen am meisten lohnt. Ihr erfahrt zudem, wofür ihr sie verwenden könnt und welche Verwechslungsgefahren in den Wäldern lauern.

Das erfahrt ihr in diesem Beitrag:

Welche Kräuter wachsen auf Rügen?

Fieberklee, Dornige Hauhechel, Gefleckter Ahornstab und Wiesenschlüsselblume – und das waren nur vier der zahlreichen Wildkräuter, die auf Rügen wachsen. Wir stellen euch drei der Heilkräuter näher vor.

Löwenzahn

Fangen wir mit einer Pflanze an, die wohl jeder von euch kennen wird: dem Löwenzahn. Hier im Norden nennen wir den Löwenzahn auch Pusteblume oder Butterblume. In anderen Teilen Deutschlands wird er Ankerblume, Kuhblume oder auch Augenblume genannt. Der Löwenzahn gehört zur Familie der Korbblütler. Auf den ersten Blick scheinen alle Löwenzahnpflanzen identisch, aber es gibt in Deutschland über 800 verschiedene Löwenzahnarten. Hättet ihr das gedacht?

Löwenzahn gilt als vermeintliches Unkraut, dabei lässt sich von Salat bis Tee so vieles mit ihm anfangen.

Er ist reich an Vitaminen, Gerb- und Bitterstoffen. Die Bitterstoffe können nierenanregend und leberstärkend wirken. Außerdem enthält er große Mengen an Spurenelementen wie Magnesium, Kalzium und Eisen.

Das Leberblümchen hat ihren Namen von ihren Blättern, dessen Form an die menschliche Leber erinnert. © Shutterstock, Marta Jonina
Die Leberblume wird in der Heilpraxis bei Entzündungen der Luftwege genutzt. © Shutterstock, Marta Jonina

Leberblümchen

Das Leberblümchen, auch Blaue Schlüsselblume oder Leberkraut genannt, erkennt ihr an seinen blauvioletten Blüten. Nach der Hauptblütezeit im März entfalten sich die dreilappigen Blätter, die grün glänzen. Zuhause ist es vor allem ist in kalk- und humusreichen Böden.

In der Homöopathie kommt das Leberblümchen manchmal bei Leberstauungen oder chronischer Bronchitis zum Einsatz. Wenn ihr im April an einer Kräuterführung teilnehmt, werdet ihr das schöne Blümchen mit Sicherheit zu Gesicht bekommen.

Leider handelt es sich aber auch um eine der Rügener Pflanzen, die vom Aussterben bedroht ist. Das liegt daran, dass einige Buchen- und Mischwälder auf Rügen abgeholzt werden.

Bachbunge

Von April bis Juni könnt ihr auf Rügen die Bachbunge bestaunen. Sie gehört zu den Rachenblütlern und wird auch Pferdekresse genannt. Ihr erkennt sie an ihren dicken, ovalen Blättern und ihren hellblauen, fast schon symmetrischen Blüten.

Die Bachbunge lässt sich ideal für Salate oder selbstgemachte Kräutermischungen verwenden. Eine Kombination aus Bachbunge, Sauerampfer, Brunnenkresse und natürlich Löwenzahn schmeckt besonders gut. Probiert es mal aus!

Wie die meisten Kräuter schmeckt die Bachbunge nicht nur gut, sondern ist auch gesund. Ihr könnt sie beispielsweise zu Hustentee verarbeiten. Sie wirkt zudem Cholesterienspiegel senkend. Genau wie der Löwenzahn ist auch die Bachbunge reich an Bitterstoffen, die, wie ihr bereits wisst, so einige gesundheitliche Vorteile mit sich bringen. Der Geschmack des Krautes ist dagegen eher scharf als bitter.

Verwendung von Kräutern in Heilfastenkuren

Von den positiven Wirkungen der Kräuter könnt ihr aber nicht nur zuhause profitieren. Auch in Heilfastenkuren sind heimische Kräuter, beispielsweise in Form von Kräutertees, fester Bestandteil. Das Grand Hotel Binz bietet vier verschiedene Heilfastenkuren an. Die Kuren sind der ideale Weg, um den Körper zu regenerieren, ihn von Schad- und Giftstoffen zu befreien und ihn in Einklang mit der Natur zu bringen.

Wildblumen wachsen vor allem an Wegrändern, Wiesen oder neben Gewässern. © Shutterstock, OLEG525
Bei einem Spaziergang kann man ständig neue Wildblumen entdecken. © Shutterstock, OLEG525

Wo findet man Kräuter in der Natur?

Bei vielem, was einem im ersten Moment nicht auffällt, weil man es instinktiv als „Unkraut“ abtut, handelt es sich in Wirklichkeit um wahre Schätze. Und diese Schätze wachsen überall. Sowohl an Wegesrändern als auch an fließenden Gewässern und auf Wiesen. Vor allem aber in Laub- und Mischwäldern sind einige Wildkräuter aufzufinden. Je stärker die Bäume belaubt sind, desto weniger Licht dringt vor. Dementsprechend wachsen dort Kräuter, welche weniger Sonne benötigen als andere.

Auf Rügen sind vor allem das Naturschutzgebiet der Zicker Berge und die Gegend um Gager, aber auch die Kräuterwiese vor den Meeresblick Residenzen in Göhren ideale Plätze, um Wildkräuter zu sammeln. Auch Putbus ist ein wahres Kräuterparadies.

Dürfen Kräuter überall gesammelt werden?

Doch nicht überall, darf alles gepflückt werden, was einem gerade so in den Weg kommt. Der beliebte Bärlauch beispielsweise darf in Naturschutzgebieten und an Naturdenkmälern auf Rügen nicht gesammelt werden.

Daneben gibt es noch eine Reihe weiterer Dinge, die ihr beachten müsst, wenn ihr auf Rügen Wildkräuter sammeln möchtet.

In einer Plastiktüte würden eure gesammelten Kräuter nicht lange überleben. Nutzt deshalb lieber einen luftigen Weidenkorb. © Shutterstock, encierro
In einem luftigen Korb könnt ihr eure Kräuter sicher und frisch mit nach Hause nehmen. © Shutterstock, encierro

Was sollte man beim Sammeln von Wildkräutern beachten?

Wenn es ans Kräutersammeln geht, ist das richtige Equipment unabdingbar. Verwendet zum Sammeln am besten luftige Körbe oder Leinenbeutel. Der nächste Tipp, den wir euch mitgeben möchten, ist, dass ihr nur bei trockenem Wetter Kräuter sammeln gehen solltet. Die Pflanzen sollten auch nicht mehr nass vom Tau, sondern schon vollkommen abgetrocknet sein. Kräutersammeln im Licht der aufgehenden Sonne klingt zwar schön, ist aber nicht empfehlenswert. Plant eure Kräuter-Tour also am besten im Laufe des Vormittags ein, wenn sie vollständig trocken, aber noch frisch von der Ruhe der Nacht sind.

Auch Wildkräuter, die an Straßenrändern gedeihen, solltet ihr besser stehenlassen. Die Abgase der Autos sammeln sich nämlich in den Pflanzen an. Als Heilpflanze sind sie daher nicht geeignet.

Wenn ihr eine Stelle gefunden habt, an der viele Kräuter wachsen, solltet ihr trotzdem davon absehen, all eure Körbe damit zu füllen. Achtet darauf, dass ihr immer genügend unversehrte Pflanzen stehen lasst, damit sie sich wieder ausreichend vermehren können. Am besten pflückt ihr immer nur so viel, dass dem Ort gar nicht anzusehen ist, dass ihr dort wart. Beim Pflücken der Kräuter solltet ihr darauf achten, diese nicht an der Wurzel abzureißen, sondern sie lediglich abzuschneiden. Verwendet hierfür eine Schere oder ein Messer.

Durch das Waschen entfernt ihr Dreck und Insekten sowie Bakterien von euren Kräutern. © Shutterstock, Halfpoint
Wascht eure Kräuter mehrmals, damit ihr sie sicher verzehren könnt. © Shutterstock, Halfpoint

Wie geht es zuhause weiter?

Einmal genügend Kräuter im Korb stellt sich die Frage, wie es damit weitergeht. Zuhause solltet ihr eure Mitbringsel erst einmal gründlich waschen. Danach sollten sie kühl und feucht gelagert werden. Verwendet die Kräuter aber so frisch wie möglich. Von einer zu langen Lagerung solltet ihr also am besten absehen. Natürlich könnt ihr sie auch einfrieren, dadurch verlieren sie allerdings an Aroma, und das wäre schließlich schade, oder?

Wir empfehlen euch außerdem, nur das zu sammeln, was ihr auch wirklich kennt. Und auch bei Kräutern, die euch bekannt vorkommen, solltet ihr noch einmal genau hinsehen. Denn das eine oder andere vermeintlich essbare Pflänzchen kann einem giftigen Kraut schon mal zum Verwechseln ähnlich sehen. Sehen wir uns das Ganze doch etwas genauer an.

Welche Wildkräuter sind essbar und welche nicht?

Das Kräutersammeln hat eine Tücke: Zwischen den leckeren Wildkräutern mit ihren heilenden Eigenschaften befinden sich manchmal auch giftige Doppelgänger.

Ein Beispiel für einen giftigen Doppelgänger ist der Wiesenkerbel, der dem giftigen Schierling stark ähnelt. Auch wenn ihr auf Bärlauch-Suche seid, solltet ihr genau hinsehen. Bärlauch lässt sich leicht mit dem Maiglöckchen und der Herbstzeitlose verwechseln. Diese Pflanzen sind hochgiftig. Während Bärlauch einen dünnen Blattstiel hat und seine Blätter mattgrün sind und sich saftig anfühlen, wachsen Maiglöckchen paarweise und kommen zusammengerollt, den Stängel umfassend, aus der Erde. Ihre Blätter sind eher dunkelgrün und fühlen sich ledrig an.

Schaut bei eurer Bärlauch-Suche also lieber zwei oder dreimal hin und lasst ihn lieber stehen, wenn ihr euch nicht sicher seid.

Wenn ihr euch unsicher seid, wo ihr Wildkräuter findet, nehmt am besten an einer Kräuterwanderung teil. © Shutterstock, Jess Gregg
Durch spezielle Führungen lernt ihr mehr über die Kräuter und ihre Verwendung. © Shutterstock, Jess Gregg

Werden auch Kräuterwanderungen angeboten?

Natürlich müsst ihr nicht allein auf Kräutersammeltour gehen. Auf geführten Wanderungen bekommt ihr Tipps zum Selbersammeln und zur Verwendung der Wildkräuter als Naturheilmittel oder in der Küche. Vielleicht erfahrt ihr dabei sogar das eine oder andere Geheimnis der Kräuter.

Freut euch auf eine Wanderung durch das Biosphärenreservat, dem südöstlichen Teil der Insel. Teil des Reservates ist auch die Halbinsel Mönchgut. Ihr werdet feststellen, dass ihr auf der Insel fast überall das Wasser sehen könnt. In den Sommermonaten erstreckt sich dort außerdem ein wunderschönes buntes Blütenmeer.

Die geführten Kräuterwanderungen finden von April bis September statt. Montags, donnerstags und freitags geht es um 10:00 Uhr und samstags um 13:00 Uhr los. Startpunkt ist das Ende der Boddenstraße in Groß Zicker beim Schlagbaum. Die Führung dauert in etwa 2,5 Stunden. Anmelden müsst ihr euch vorher nicht.

Wildkräuter lassen sich gut in der Küche und in der Hausapotheke einsetzen. © Shutterstock, Natalia Lisovskaya
Unkraut ist nicht gleich unnütz. Wildkräuter haben viele verschiedene Einsatzmöglichkeiten. © Shutterstock, Natalia Lisovskaya

Packt eure Körbe ein

Wenn es einen Ort gibt, der sich für das Kräutersammeln lohnt, dann ist es Rügen mit seinen unendlichen Wäldern und Wiesen.

Wir wünschen euch eine erfolgreiche Sammlung und viele schöne Urlaubs-Mitbringsel!

Beitragsbild: © Shutterstock, DUSAN ZIDAR